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Um Sprachhindernisse abzubauen

Diakonieverband sensibilisiert und schult Reutlinger Dolmetscherinnen und Dolmetscher für Beratungssituationen

In den unterschiedlichsten Sprachen stellen Dolmetscherinnen und Dolmetscher in Reutlingen ihre Übersetzungskenntnisse zur Verfügung. Russisch, ukrainisch, bulgarisch, arabisch, vietnamesisch, persisch und viele weitere Sprachen sind dabei vertreten. „Es gibt ja schon Dolmetscherpools bei Stadt und Landkreis“, berichtet Jana Mokali „Die leisten gute Arbeit, aber in den Beratungsgesprächen beim Reutlinger Diakonieverband geht es oft um schwierige Inhalte und Schicksale.“ Dafür würden ausgewählte Dolmetscher nicht nur sehr gute Sprachkenntnisse benötigen, sie müssten auch für psychosoziale Gespräche und für die intensive Begleitung durch Fallbesprechungen und Supervision sensibilisiert sein. Eine angemessene Bezahlung sei ebenfalls wichtig, betont Mokali, die beim Diakonieverband für die Fachstelle für Interkulturelle Orientierung in der Region Neckar-Alb zuständig ist.

„Es geht hier bei unseren Beratungen nicht allein um die wortwörtliche Übersetzung von dem, was die Beraterinnen und die Klienten sagen – bei uns im Diakonieverband geht es auch um eine Haltung“, betont Dr. Joachim Rückle als Geschäftsführer des Diakonieverbands. „Wir zeigen den Menschen in der Beratung nicht die Lösung ihrer Probleme, wir helfen ihnen, ihren eigenen persönlichen Weg zu finden.“ Wenn etwa eine schwangere Frau in die Beratung komme, werde sie über Möglichkeiten der Unterstützung aufgeklärt – auf ihren eigenen Wunsch hin aber auch über einen Abbruch informiert. Die Dolmetscherin dürfe sich natürlich nicht einmischen, dürfe nicht bewerten, Fragen stellen oder ihre eigenen Gefühle dazu zeigen.

Insgesamt 16 Dolmetscherinnen und Dolmetscher haben in den zurückliegenden Wochen eine Qualifizierung beim Diakonieverband absolviert. Sie war aufgeteilt in drei Module, dabei wurden Themen erläutert wie „Abgrenzung und professionelle Distanz“ – schließlich werden laut Mokali nahezu in allen Beratungsbereichen sehr sensible, persönliche und intime Themen angesprochen. „Auch deshalb sind die Gebote der Neutralität und der Nichteinmischung ebenso wichtig wie die Schweigepflicht“, betont Jana Mokali. Die Besonderheiten der psychosozialen Gespräche standen im Mittepunkt der Ausbildung und wurden in zwei Modulen von Hanna Pick (psychosoziale Beratung für Geflüchtete) und Peter Scholz (Projekt PUNKTUMPlus) vermittelt. Der Aufbau des Sozialstaats in Deutschland sowie die Rolle und Bedeutung der Wohlfahrtsverbände in Deutschland waren ebenfalls Inhalt der Qualifizierung.

Vor wenigen Tagen haben sich die Absolventinnen und Absolventen des Seminars aber erst mal über den erfolgreichen Abschluss gefreut. Die Dolmetscherinnen und Dolmetscher mit den unterschiedlichsten Wurzeln erhielten von Joachim Rückle ihre Zertifikate. „In Deutschland ist es wichtig, was Schriftliches in der Hand zu halten“, sagte der Geschäftsführer des Diakonieverbands. Die Absolventen bekommen nun einen „Rahmenvertrag“ über den sie auch versichert sind. „Es freut mich sehr, dass Sie sich auf die Ausbildung eingelassen haben, denn es ist uns wichtig, unseren Klienten in schwierigen Themen und Lebenssituationen Unterstützung und Hilfe zu bieten.“ Sprachhindernisse dürften dabei keine Rolle spielen. Die Dolmetscher und Dolmetscherinnen könnten einen guten Teil dazu beitragen.

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