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Helfen, aber professionell

Anita Riedlinger hat unglaubliche 37 Jahre beim Reutlinger Diakonieverband in der Schwangeren- und Sozialberatung gearbeitet

Als Anita Riedlinger vor kurzem zur Rentenberatung gegangen ist, hat sie erfahren, dass sie schon vor 1,5 Jahren hätte in den Ruhestand gehen können – weil sie da schon seit 45 Jahren gearbeitet hatte. Geärgert hat sie sich deswegen nicht. Stets war sie gerne in der Planie 17, schätzte die gute Atmosphäre dort, die Kollegialität, das Miteinander. „Als ich im September 1982 hier angefangen habe, waren wir insgesamt fünf Mitarbeiter“, erinnert sich die heute 65-Jährige. In den zurückliegenden Jahrzehnten ist das Personal des Diakonieverbands auf über 70 angewachsen.

Geboren wurde Anita Riedlinger in Gomaringen, in Reutlingen ist sie zur Schule gegangen, danach machte sie eine Ausbildung zur Arzthelferin. Und mit zarten 18 Jahren hat sie bereits geheiratet und drei Kinder geboren. Beides hat sie nie bereut. Und sie ist auch heute, nach 47 Jahren immer noch mit dem gleichen Mann verheiratet. Was sie sich wünschte, bevor sie am 31. März offiziell in den Ruhestand ging? Mehr Zeit zusammen mit ihrem Mann. Mehr Ruhe, in der sie ihre künftigen ehrenamtlichen Tätigkeiten überdenken kann. „Ich habe schon Anfragen“, sagt Anita Riedlinger. Doch sie will nichts überstürzen.

Während sie 1982 beim Diakonieverband als Praktikantin anfing, hat sie an der Evangelischen Hochschule für Sozialwesen in Reutlingen Sozialpädagogik studiert. „Das Studium war für mich die logische Folge, wie wir gelebt haben.“ Sie liebte schon immer den Kontakt zu anderen Menschen und wollte „helfen, aber professionell“. So lautete schon damals ihr Motto. „Und ich habe immer schon Herausforderungen gesucht.“ Die fand sie dann auch haufenweise in ihrer Arbeit mit Schwangeren, in der Schwangerenkonfliktberatung und später auch in der Sozialberatung. „Da traf ich dann auch auf ältere Menschen und deren spezifische Probleme“, so Riedlinger.

In welchen Bereichen auch immer die heute 65-Jährige in den zurückliegenden fast vier Jahrzehnten Menschen beraten hat – Grundvoraussetzung dafür war stets der Aufbau von Vertrauen zwischen ihr und den Ratsuchenden. Deshalb lehnt sie für sich persönlich auch die Online-Beratung ab. „Da bin ich froh, dass ich das nicht mehr anfangen musste“, sagt sie und lacht. Gerne erinnert sich Anita Riedlinger an Menschen, denen sie helfen konnte. Wie etwa an eine schwerkranke Frau, zu der ein tiefes Vertrauensverhältnis entstanden war. Eines Tages hat die Sozialpädagogin der Frau einen Herzenswunsch erfüllt – eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen im Café Sommer, ohne aufs Geld schauen zu müssen. Viel Verwaltungstätigkeit und Suche nach Geldern hat Riedlinger in manche Fälle investiert, etwa um einer Familie einen Aufzug für ihr behindertes Kind finanzieren zu können. „Bei allem war aber immer klar, dass hier ein Abhängigkeitsverhältnis besteht – Distanz zu den Klienten zu wahren ist allein schon deshalb notwendig, um weiterarbeiten zu können.“ Anita Riedlinger geht, wie sie selbst sagt, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge in den Ruhestand“. Allerdings ist sie sich bei einem ganz sicher: Sie wird den Kontakt zum Diakonieverband nicht abreißen lassen.

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