Geschäftsführer Dr. Joachim Rückle blickt auf ein Jahr voller Herausforderungen, Erfolge und neuer Chancen für den Diakonieverband Reutlingen zurück.
Ein ereignisreiches Jahr 2025 liegt hinter uns. Für uns als Diakonieverband bleibt der persönliche Kontakt zu den Menschen das Herzstück unserer Arbeit. 95 engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beraten, begleiten und unterstützen Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen. In dieser Begegnung entsteht das, was unser Handeln prägt: gelebte Nächstenliebe, echte Aufmerksamkeit und praktische Hilfe.
Die Einsamkeit vieler Menschen fordert uns zunehmend heraus. Deshalb legen wir besonderen Wert auf Teilhabe und Begegnung – etwa durch Quartiersarbeit oder Projekte wie traude. Mit dem Diakonischen Zentrum Christuskirche werden wir künftig noch mehr Räume schaffen, in denen Gemeinschaft wachsen kann.
Dieses Arbeitsfeld hat uns stark gefordert. Seit einem Jahr verantwortet Ralph Kuntz die Leitung. In den vier Tafeln in Reutlingen, Metzingen, Bad Urach und Münsingen zeigen sich unterschiedliche Herausforderungen. Weil der Lebensmittelhandel optimiert und weniger Überschüsse abgibt, gewinnt die Regiotafel an Bedeutung. In Reutlingen konnten wir darauf reagieren – mit zusätzlichem Personal und einer erweiterten Kühlmöglichkeit.
In Bad Urach stehen Tafel- und Kleiderladen vor einem Umzug. Auch die Kleiderläden in Metzingen, Bad Urach und Münsingen kämpfen mit der Frage, wie nicht verwertbare Ware entsorgt werden kann, ohne die Kosten explodieren zu lassen. Diese Themen bleiben im Blick, weil sie den Alltag vieler Menschen unmittelbar berühren.
Nach dem letzten Weihnachtsgottesdienst wurde die Kirche ausgeräumt – ein symbolischer und realer Neubeginn. Am 26. März 2025 markierte der Spatenstich mit Vertreterinnen und Vertretern von Stadt und Land den Baustart. Ein Infoabend zum gemeinschaftlichen Wohnen fand großen Zuspruch.
„Wir schaffen Räume der Begegnung, in denen Gemeinschaft wachsen kann.“Dr. Joachim Rückle
Dr. Joachim Rückle
Die Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Diakonieverband und Gesamtkirchengemeinde beschäftigt uns intensiv. Eine Kooperationsvereinbarung liegt im Entwurf vor, Mietverträge folgen. Zugleich treiben wir das Fundraising voran. Der Verband hat die Verantwortung übernommen, und geht mit neuer Fachkompetenz ans Werk. Eine neue Website, ein breit gestreuter Flyer und viele Gespräche mit Förderinnen und Förderern spiegeln dieses Engagement wider.
Seit Januar arbeitet Martin Dege als Medienbeauftragter des Diakonieverbands. Schon im ersten Jahr hat er die Öffentlichkeitsarbeit spürbar modernisiert. Der neue Newsletter erreicht rund 800 Abonnentinnen und Abonnenten. Unsere Website wurde visuell und inhaltlich überarbeitet. Außerdem steht ein Redaktionsteam bereit, das ab dem neuen Jahr soziale Medien aktiv bespielen wird.
Die gesellschaftlichen Spannungen und die finanzielle Not vieler Menschen nehmen zu. Das erfordert Haltung und Engagement. In Projekten wie der Vesperkirche konnten wir zeigen, dass soziale Unterstützung und gesellschaftlicher Dialog zusammengehören. Auch unsere Beteiligung an der Interkulturellen Woche oder dem Bündnis für Menschenrechte hat wichtige Akzente gesetzt.
Verständigung bleibt dabei das entscheidende Ziel. Gemeinsam mit der EKD, der Diakonie Deutschland und dem Verein Mehr Demokratie führten wir im Herbst eine Moderationsschulung zu „Sprechen und Zuhören“ durch. 80 Teilnehmende lernten dort, wie Kommunikation Vertrauen schafft. Dieses Format wird auch in der nächsten Vesperkirche Anwendung finden – begleitet von einem Podiumsgespräch zur Landtagswahl.
„Menschen mit Fluchterfahrung finden bei uns eine offene Tür und die erforderliche Begleitung beim Ankommen.“Dr. Joachim Rückle
Ein neues Arbeitsfeld hat sich mit der Erstaufnahme von Asylsuchenden in Reutlingen eröffnet. Unter Leitung von Asyldiakonin Anna Sonnemann hat sich innerhalb weniger Monate ein motiviertes sechsköpfiges Team gebildet, das Beratung, Streetwork und Ehrenamtskoordination übernimmt.
Erfreulich sind auch die Entwicklungen unserer Förderprojekte. My Integration – unterstützt durch den Europäischen Sozialfonds – verlängert seine Arbeit bis 2028. Gemeinsam mit dem Verein Bildung in Migrantenhand begleiten wir Frauen mit Migrationsgeschichte auf ihrem Weg in Ausbildung und Beruf. Auch das ESF-Projekt traude wird fortgesetzt. Dadurch können Initiativen wie der Mittagstisch in Metzingen und die Quartiersarbeit weitergeführt werden.
Das Projekt Trio, das ukrainische Jugendliche unterstützte, läuft nun unter dem Namen take off weiter – mit größerem Umfang und erweitertem Fokus auf junge Menschen unterschiedlicher Herkunft. Eine Förderung der Lechler-Stiftung über 60.000 Euro trägt maßgeblich dazu bei.
#miteinander hat sich an allen Standorten als niedrigschwelliges Unterstützungsangebot bewährt. In Bad Urach ermöglicht ein Zuschuss der Stadt die Fortführung der Sozialberatung, bei der Ehrenamtliche eine tragende Rolle spielen. Die evangelische Landeskirche unterstützt uns zusätzlich über ihren Energiefonds – eine wichtige Hilfe für Menschen, die durch steigende Energie- und Lebensmittelkosten in Not geraten sind.
„Vielen Menschen bieten wir eine Perspektive, wenn die Preise steigen und ihre Ressourcen knapp werden.“Dr. Joachim Rückle
Die Quartiersarbeit gewinnt zunehmend an Gewicht. An allen Standorten entstehen neue Kooperationen mit Kirchengemeinden und Kommunen. Eine gemeinsame Initiative arbeitet daran, das bewährte Seniorenpaten-Modell weiterzuentwickeln und auf andere Regionen zu übertragen.
In der Sucht-, Erziehungs- und Schuldnerberatung bleibt die finanzielle Unterdeckung durch die Landkreise eine Herausforderung. Wir setzen uns für eine bessere Förderung ein und prüfen Kooperationen, die inhaltlich sinnvoll und finanziell tragfähig sind.
Wir wollen weiterhin verlässlich an der Seite der Menschen stehen – auch dort, wo soziale Netze reißen und Strukturen schwächeln. Wer sich umfassend informieren möchte, findet den vollständigen Geschäftsbericht auf unserer Website.