Überraschendes Ende

Schließung der Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber in Reutlingen

Dass die Erstaufnahmestelle gegen Jahresende schließen würde, hatten die Verantwortlichen im Tübinger Regierungspräsidium schon seit einiger Zeit signalisiert. Zu teuer, zu schwierig die Lebens- und Arbeitsbedingungen in diesem als Ausweichunterkunft ausgebautem Festzelt. Ein Schimmelbefund Anfang April sorgte nun für eine kurzfristige Räumung innerhalb weniger Tage. Das fünfköpfige Team des Diakonieverbands Reutlingen, das seit Anfang 2025 in der Allgemeinen Verfahrensberatung, der Sozialberatung, der Ehrenamtskoordination und im Streetwork aktiv war, stand plötzlich ohne Arbeit da. Für viele der bis zu 140 männlichen Asylbewerber und für die Mitarbeitenden vor Ort endete damit ein kurzer, aber intensiver Abschnitt gemeinsamer Arbeit, Begleitung und Unterstützung.

Seit Anfang 2025 konnten zahlreiche, oft psychisch belastete Asylbewerber begleitet werden. Besonders beispielhaft steht dafür die Geschichte eines jungen Afghanen, den die Mitarbeitenden des Diakonieverbands seit seiner Ankunft in Deutschland unterstützt haben. Heute - nach etwas mehr als einem Jahr in Deutschland- absolviert er erfolgreich seine Ausbildung zum Pflegehelfer, die aufgrund seiner guten Leistungen sogar von zwei auf ein Jahr verkürzt werden konnte. Im Anschluss wird er in die Ausbildung zur Pflegefachkraft in Reutlingen übernommen – ein gelungenes Beispiel für Integration, Perspektive und gesellschaftliche Teilhabe.

Die kurzfristige Schließung stellte alle Beteiligten vor große organisatorische und persönliche Herausforderungen. Der Diakonieverband hat sich dabei intensiv bemüht, die Mitarbeitenden zu unterstützen und ihnen neue berufliche Perspektiven und Arbeitsplätze zu vermitteln. So konnte schließlich auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet werden.

Zwei Mitarbeitende konnten kurzfristig in die Asylverfahrensberatung in der Erstaufnahmeeinrichtung in Tübingen wechseln. Die Vereinbarung gilt bis Ende des Jahres. In Tübingen war man darüber sehr erfreut, schließlich war die AVB dort aufgrund eines Rückzugs der Caritas seit Jahresbeginn vakant.

Teamleiterin Anna Sonnemann und Geschäftsführer Dr. Joachim Rückle sind froh, dass Vorstand und Verbandsversammlung das Engagement des Diakonieverbands in der Flüchtlingsarbeit stets unterstützt haben. „Auch zukünftig liegt uns die Arbeit mit geflüchteten Menschen sehr am Herzen. Wir werden uns weiterhin engagiert für ihre Beratung und Begleitung und ihre gesellschaftliche Teilhabe einsetzen.“